Fragen & Antworten

Seh-Märchen vs. Seh-Fakten

Können die Augen beim Schielen stehen bleiben?

Entwarnung. Mamas Klassiker ist falsch. Beim absichtlichen Schielen drehen die Muskeln, die auch für die normalen Augenbewegungen zuständig sind, den Augapfel zur Seite. Auch wenn man einen Schrecken kriegt, können diese Muskeln nicht verkrampfen. Übrigens: Ebenso wenig bleiben Grimassen im Gesicht stehen.

Sind Möhren wirklich gut für die Augen?

Möhren sind gut und tun gut. Aber die Augen verbessern sie nicht. Das alte Vorurteil stammt daher, dass Karotten viel Beta-Karotin enthalten. Der Körper wandelt diesen Pflanzenfarbstoff in Vitamin A um. Das Vitamin wiederum brauchen die Sinneszellen in der Netzhaut unserer Augen. Die allermeisten Fehlsichtigkeiten kommen aber nicht von einem Mangel an Vitamin A, sondern daher, dass das Auge einen kleinen „Baufehler“ hat. Sich mit der Karotte die Brille wegzuknabbern – is(s) nicht!

Beim Lesen im Dunkeln verdirbt man sich die Augen, oder?

Jein! Bei wenig Licht öffnet sich die Pupille des Auges. Bei weiter Pupille ist wiederum – genau wie bei einer Kamera – die Tiefenschärfe sehr gering, das heißt, es wird nur ein kleiner Bereich scharf dargestellt. Deshalb müssen die Muskeln rund um die Linse sehr präzise arbeiten, damit der Text im Buch scharf auf der Netzhaut abgebildet wird. Bei Erwachsenen ist das zwar anstrengend, aber unproblematisch. Bei Kindern kann es jedoch dazu kommen, dass das Auge versucht, sich dauerhaft auf die kurze Lesedistanz einzustellen. Es wächst in die Länge und wird dadurch kurzsichtig Das passiert aber nur, wenn man wirklich noch sehr jung ist und alle Harry Potter-Bände mit der Taschenlampe unter der Bettdecke verschlingt. Alle anderen, die bei Schummerlicht schlechter sehen, haben sowieso schon einen kleinen Sehfehler, der im Halbdunkel besonders stark spürbar wird.

Computerfreaks brauchen alle eine Brille!

Wenn das so wäre, dann könnte man ja flugs diese reichen Herren aus Amerika verklagen. Bisher hat das aber noch keiner getan. Es ist aber eine Tatsache, dass das Sehen am Computerbildschirm anstrengend ist. Das Auge muss sich viel genauer auf den Abstand zum Bildschirm einstellen. Man blinzelt viel weniger als normal, was dazu führt, dass der Tränenfilm verdunstet und es zu einem unangenehmen, brennenden Gefühl kommen kann. Auch das starre Geradeausblicken ist Schwerstarbeit für die Augen. Besonders wenn kleine, vorher nicht bemerkte Sehfehler vorhanden sind, werden die Augen am Bildschirm viel schneller müde. Dass Berufstätige, Computerfreaks und Gamer oft eine Brille tragen, hängt also meist damit zusammen, dass sie ihre Sehschwäche vorher nicht bemerkt oder verheimlicht haben.

Tränen lügen nicht, oder?

Tränende Augen können viele Ursachen haben: Traurigkeit, Allergien, Tränengas oder auch Augenfehler. Gibt es keinen ersichtlichen Grund und hört der Tränenfluss nicht mehr auf, sollte man einen Augenarzt aufsuchen. Nebenbei: Alle Tränen, die in Deutschland pro Tag geweint werden, würden 40 Badewannen füllen. 34 dieser Wannen schniefen Frauen voll. Glücklicherweise kann man aber auch Tränen lachen. Auch hier sind die Frauen besser.

Kann man Blicke spüren?

Manche Menschen sind davon überzeugt, Blicke im Nacken spüren zu können. Eine übersinnliche Begabung? Eher ein Streich des Unterbewussten. Die Erklärung ist ganz simpel: Die Sehzellen nehmen am Rande des Gesichtsfelds eine Bewegung wahr, wobei das Auge nicht viel erkennt, aber das Gehirn eine Ahnung davon bekommt, dass dort jemand ist. Hin und wieder ist es auch das Ohr, das so tut, als wäre es ein Auge am Hinterkopf: Wer sich umdreht, weil er den Blick im Nacken spürt, hat Sekunden vorher oft unbewusst einen Laut bemerkt.