Hilft eine Augenklappe wirklich gegen Schielen?

Seh-Märchen vs. Seh-Fakten

Muss man eine Augenklappe tragen, wenn man schielt? (Foto: © bulentevren / shutterstock.com)

Ist eine Augenklappe beim schielenden Kind medizinisch notwendig? Was passiert, wenn es den Piraten-Look nicht tragen will?

Wieso schielen einige?

Blicken die Augen in unterschiedliche Richtungen, spricht man von Schielen (Strabismus). Die Augenmuskeln arbeiten nicht richtig. Schielen kann erblich sein, durch eine unkorrigierte Fehlsichtigkeit ausgelöst werden, aber auch nach einer Erkrankung oder einem Unfall auftreten.

Warum ist Schielen nicht nur ein Schönheitsfehler?

Für räumliches Sehen braucht der Mensch optimale Bilder von beiden Augen, die das Gehirn zu einem dreidimensionalen zusammensetzt. Funktioniert die Bildlieferung wegen eines schielenden Auges nicht richtig, können Doppelbilder entstehen. Bei Kindern passiert das allerdings seltener, weil ihr Gehirn das Bild vom schielenden Auge einfach unterdrückt. Das untätige Auge entwickelt dann aber keine normale Sehschärfe – es wird schwachsichtig (amblyop).

Wie zeigt sich die Augenfehlstellung, und was ist zu tun?

Während eine spezielle Brille die vorhandene Fehlsichtigkeit korrigiert, fördert die sogenannte Okklusionstherapie das sehschwächere Auge. Das bessere, nicht schielende Auge wird mit einer Augenklappe, meistens jedoch mit einem Augenpflaster oder einem Pflaster auf der Brille, abgedeckt. In dieser Zeit sieht das Kind nur mit dem schielenden, aber ansonsten gesunden Auge, das auf diese Weise zu mehr Leistung gezwungen wird. Durch die Augenklappe kann die Sehschärfe des schwächeren Auges oft deutlich verbessert werden. Mitunter ist noch eine Schieloperation nötig, bei der die Augenmuskeln umgelagert werden.

Was bewirkt die Augenklappe?

Während eine spezielle Brille die vorhandene Fehlsichtigkeit korrigiert, fördert die sogenannte Okklusionstherapie das sehschwächere Auge. Das bessere, nicht schielende Auge wird mit einer Augenklappe, meistens jedoch mit einem Augenpflaster oder einem Pflaster auf der Brille, abgedeckt. So sieht das Kind nur mit dem schielenden, aber ansonsten gesunden Auge, dass zu mehr Leistung gezwungen wird. Zusätzlich trainieren Orthoptistinnen und Orthoptisten mit den Kindern in der Sehschule das Zusammenspiel beider Augen. Mitunter ist noch eine Schieloperation nötig, bei der die Augenmuskeln umgelagert werden.

Wie lange muss man die Augenklappe tragen?

Der Augenarzt legt fest, wie viele Stunden am Tag und über welchen Zeitraum das Kind Abdeckpflaster oder Augenklappe tragen muss. Dieser Rhythmus ist genau einzuhalten – übrigens ebenso wie das strikte Tragen der Brille. Die Therapie kann sich über mehrere Jahre hinziehen. In der Regel ist sie spätestens mit dem zwölften Lebensjahr abgeschlossen.

Was passiert, wenn die Augenklappe nicht wie verordnet getragen wird?

Es ist sehr wichtig, die Brille und Augenklappe bzw. das Augenpflaster genau nach Vorschrift zu tragen. Wer mogelt und die Augenklappe gar nicht oder kürzer als verordnet trägt, riskiert eine lebenslange Sehschwäche und gravierende Einschränkungen des räumlichen Sehens. Das kann beispielsweise zu erhöhter Unfallgefahr führen und die Berufswahl eingrenzen. Aber auch Übereifer schadet, denn wenn die Okklusionstherapie von den Eltern länger als verordnet durchgeführt wird, kann das bessere Auge eine Sehschwäche entwickeln.

Wichtig: Die Augenklappe soll in erster Linie die Sehschärfe verbessern. Sie hilft nicht direkt gegen Schielen! Bei guter Akzeptanz von Brille und beidseits gleicher Sehleistung verringert sich der Schielwinkel aber oft von ganz allein auf ein funktionell und kosmetisch befriedigendes Maß. Ob ein Kind trotz erfolgreicher Augenpflasterbehandlung noch schieloperiert werden muss, sollten die Eltern mit Ihrem Augenarzt besprechen.

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