Ist der Maulwurf wirklich blind?

Seh-Märchen vs. Seh-Fakten

Blind wie ein Maulwurf: Ist der Maulwurf wirklich blind?

Blind wie ein Maulwurf? (Foto: © Tramper2 / iStockphoto.com)

Der Maulwurf sieht zwar niedlich aus. In Wirklichkeit ist er aber ein eingefleischter Jäger mit einem ausgeprägten Geruchs-, Tast- und Hörsinn, der über seine Schnauze sogar elektrische Reize wahrnehmen kann. Zudem verfügt er über scharfe Zähne zum Knacken von Käferpanzern und kräftige Schaufelhände zum Graben.

Maulwurfshügel: Findet der Maulwurf den Ausgang nicht?

So ein unterirdisches Labyrinth ist keinesfalls das Ergebnis blinder Zerstörungswut (oder enormer Vergesslichkeit). Es ist überlebenswichtig. Auf Grund seines aktiven Stoffwechsels und einer regen Verdauung scheidet der Maulwurf große Mengen Kohlendioxid aus. Deshalb sind die Gänge und Höhlen neben Jagdgebiet und Lebensraum auch ausgeklügelte Belüftungssysteme.

Gleichzeitig sorgen die „Grabungen“ für Auflockerung und Drainage der Böden, was dem Maulwurf auch seinen Namen gab. „Mull“ ist ein Wort für Humus. Deshalb ist der kleine Jäger kein Maul-, sondern ein Erdwerfer.

Wie blind ist der Maulwurf wirklich?

Die Natur hat den Maulwurf nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip ‚entworfen’: Sehen ist für ihn nicht wichtig. Deshalb sind die stecknadelkopfgroßen Augen tief im Fell versteckt. Sie unterscheiden lediglich zwischen Hell und Dunkel. So schlecht der Maulwurf sehen kann, so gut ist er darin unsichtbar zu bleiben. Einzig das aufgetürmte Aushubmaterial aus Gängen, Schlaf-, Nest- und Vorratskammern zeugt von seiner Anwesenheit. Fazit: Nicht einmal der Maulwurf ist blind wie ein Maulwurf.

„Der Club der blinden Tiere“

Der Kreis schlecht sehendender oder blinder Tierarten ist übrigens klein. Zu ihm gehören unter anderem der Grottenolm, der Grottenkrebs, der Texanische Brunnenmolch, der Süßwasserpolyp, der Blinde Höhlensalmler und eine Fischart mit dem düsteren Namen Satan eurystomus.

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