Bei optischen Täuschungen sehen unsere Augen falsch – oder?

Seh-Märchen vs. Seh-Fakten

Optische Täuschung – was passiert beim Sehen? (Foto: GeorgePeters © iStock.com)

„Ich traue meinen Augen nicht!“ Dahinter kann wirklich etwas Wahres stecken. Denn fürs Sehen sind nicht allein unsere Augen zuständig. Hier spielen Augen UND Gehirn zusammen.

Was sehen die Augen?

Was unser Auge aufnimmt, ist Licht. Sein Weg führt über HornhautAugenkammernPupilleLinseGlaskörper auf die Netzhaut. Dort werden aus Lichtsignalen Nervenimpulse. Diese gelangen über den Sehnerv ins Gehirn, das sie auswertet und zu einem Bild zusammenbaut.

Was tut das Gehirn am Ende?

Um sich die Arbeit zu erleichtern, vergleicht das Gehirn die Seheindrücke mit Mustern, die es schon früher gespeichert hat. Ein einfaches Beispiel: vier Beine, Platte, Lehne – also Stuhl. Dabei muss ein Erwachsener gar nicht mehr genau hinsehen, um den Stuhl als Stuhl wahrzunehmen. Ihm reichen wenige Anhaltspunkte, den Rest ergänzt das Gehirn aus der Erfahrung.

Wie kommt es zur optischen Täuschung?

Eine optische Täuschung oder visuelle Illusion entsteht, wenn spezielle Sehreize die automatische Mustererkennung des Gehirns überlisten. So lassen sich die Gehirnprozesse, die unser Sehen im täglichen Leben erleichtern, mit künstlich erzeugten Bildern, die in dieser Form nicht in der Natur vorkommen, hinters Licht führen. Optische Täuschungen treten in Bezug auf Größe, Geometrie, Farbe oder Bewegung auf.

Was ist ein Beispiel für eine optische Täuschung?

Ein klassisches Beispiel für eine Größen-Täuschung ist die Ebbinghaus-Illusion – Bild unten. Wir sehen zwei orange Kreise, umgeben von grünen Kreisen. Der orange Kreis links ist kleiner als der rechts, richtig?

Optische Täuschung, relative Größe – Ebbinghaus-Täuschung (Grafik: Kuratorium Gutes Sehen)

Nein, falsch! Es hat nur den Anschein, der orange Kreis zwischen den größeren grünen Kreisen sei kleiner als der mit den kleineren grünen Kreisen drum herum. Tatsächlich sind sie gleich groß.

Die Täuschung basiert nicht allein auf den verschieden großen grünen Kreisen. Die Wissenschaft versucht sich in Erklärungen, etwa dieser: Der Abstand der grünen Kreise zum jeweiligen orangen Mittelkreis ist unterschiedlich, also mal mehr, mal weniger Weiß zwischen Orange und Grün. Das täuscht uns eine räumliche Beziehung der Kreise zueinander vor. Die Perspektive kommt ins Spiel. Im Bild mit den großen grünen Kreisen scheint der orange Punkt weiter hinten zu liegen. Er wirkt deshalb kleiner.

Nun die Probe aufs Exempel: Einfach die grünen Kugeln verdecken, und was sehen wir? Die orangen Kreise sind gleich groß!

Optische Täuschungen – YouTube-Video

 

Machen die Augen bei optischen Täuschungen also etwas falsch?

Nein, normal funktionierende Augen machen nichts falsch. Das Bild von den Dingen, die wir sehen, entsteht erst im Kopf. Es wird von den Erfahrungen gespeist, also von dem, was wir bereits kennen und gespeichert haben. Die Natur hat es gut eingerichtet: Das Gehirn braucht nur den Input weniger Schlüsselreize, um die Wirklichkeit abzubilden – das macht das Leben leichter.

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