Seit wann sind Tiger denn grün?

Seit wann sind Tiger grün?
Gibt es eigentlich grüne Tiger? | © nattanan726 / istockphoto.com

Grüne Tiger? Heute fragen wir uns, ob der erhabene Königstiger wirklich orange-weiß-schwarz oder eher grün-weiß-schwarz gestreift ist. Komische Frage? Nein, denn es kommt tatsächlich darauf an, wer ihn anschaut. Für uns Menschen leuchtet sein Fell auffällig orange. Für andere Tiere kann derselbe Tiger jedoch ganz anders aussehen und gerade deshalb erstaunlich gut getarnt sein.

Wer sieht grüne Tiger?

Fast unsichtbar tauchen Tiger erst im letzten Moment aus dem Dickicht auf, wenn sie auf Beutezug sind. Hirsche besitzen nur zwei Arten von Farbrezeptoren, Menschen drei. Deshalb können Hirsche Rot- und Orangetöne nicht so wahrnehmen wie wir. Das orangefarbene Fell des Tigers erscheint ihnen als mattes Grün. Sie entdecken ihren Fressfeind nur schwer. Und manchmal zu spät.

Der Clou: Languren, also Affen, die oft in der Nähe einer Hirschherde auf Bäumen sitzen, verfügen über drei Farbrezeptoren und erkennen die orangefarbene Gefahr schon von Weitem. Mit lautem Geschrei warnen sie nicht nur ihre eigene Gruppe, sondern auch die Hirsche am Boden.

Warum haben Menschen drei Farbrezeptoren?

Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans, Paviane, Brüllaffen und Menschen haben im Laufe der Evolution ein Dreifarbensehen entwickelt. Aber warum eigentlich? Wissenschaftler rätseln schon lange über den Vorteil dieses „Luxus“-Farbsehens, das unter Säugetieren nur wenige Arten besitzen.

Heute vermuten viele Forschende, dass das Farbsehen vor allem für das Zusammenleben in Gruppen wichtig wurde. Ziel ist es, soziale Signale der Artgenossen lesen zu können. Bei Wut und Ärger droht ein rot anlaufendes Gesicht beispielsweise aggressives Verhalten an. Wer feine Farbunterschiede im Gesicht oder auf der Haut erkennen kann, versteht schneller, ob der andere gut oder schlecht gelaunt ist.

Rot bedeutet aber mehr als Alarm. Gerötete Hinterteile sind bei Affen ein wichtiges Signal für Paarungsbereitschaft. Und auch wir Menschen finden rote Lippen anziehend, rosige Wangen bezaubernd und rote Kleidung attraktiver als blaue oder grüne Outfits. Eine Studie von Elliot und Niesta aus dem Jahr 2008 mit dem Titel „Romantic Red“ beweist: Männer bewerten Frauen in roten Kleidern als attraktiver und begehrenswerter als in anderen Farben.

Viele andere Säugetiere sehen dagegen nur zwei Grundfarben. Welche Farben Tiere wahrnehmen können, erfährst du in diesem Seh-Märchen.

„Deine Farbe seh ich nicht!“

Sehr wenige Menschen haben Schwierigkeiten, den Rot-Grün-Farbbereich eindeutig zu erkennen. Das betrifft weniger als ein halbes Prozent der Frauen, aber fast acht Prozent der Männer. Der Grund liegt in den Farbrezeptoren der Netzhaut. Bei manchen Menschen funktionieren die Rot- oder Grünzapfen nicht richtig oder fehlen ganz.

Diese Besonderheit wird genetisch vererbt und ist an das X-Chromosom gebunden. Deshalb tritt sie bei Männern deutlich häufiger auf als bei Frauen.

Mehr zu diesem spannenden Thema und zu Sehhilfen für Menschen mit Rot-Grün-Schwäche erfährst du hier.

Wenn es für Menschen mit einer Rot-Grün-Schwäche schwierig ist, rote und grüne Linsen für eine Suppe auseinanderzuhalten, könnten sie dann auch Dein Erröten übersehen?

Nicht unbedingt. Auch ohne den Farbton genau zu erkennen, nehmen sie andere Zeichen wahr: glänzende Augen, feuchte Stirn oder angespannte Gesichtszüge. Die kleinen Schweißtröpfchen auf Deiner Stirn verraten Deine Nervosität trotzdem.

Farbe bekennen = sich zeigen

Soziale Gemeinschaft sichert unser Leben, das stimmt. Fürsorge, Obhut und Teilhabe sind wichtige Überlebenswerte. Doch es gibt noch etwas ebenso Wertvolles: Zufriedenheit und Glück. In einer guten Gemeinschaft zu leben, stärkt unsere Gesundheit und kann sogar das Lebensalter verlängern.

Wenn wir also evolutionär „Farbe bekennen“ und unsere Gefühle im Gesicht sichtbar werden, senden wir ehrliche Signale an andere. Angst, Wut oder Verlegenheit färben unsere Haut von rosig bis blass. In einer funktionierenden Gemeinschaft erkennen andere diese Zeichen und reagieren darauf – im besten Fall mit Aufmerksamkeit, Unterstützung oder Trost.

Ein gutes Farbsehen hilft also nicht nur, einen Tiger im Dschungel rechtzeitig zu entdecken. Es hilft uns auch, die Gefühle unserer Mitmenschen zu verstehen.

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