Sind alle blauäugigen Menschen verwandt?

Sind alle blauäugigen Menschen verwandt?
Sind alle blauäugigen Menschen verwandt? | Quelle: © Deagreez / iStockphoto.com

Nur knapp 10 Prozent der Menschen auf unserem Planeten schaut mit blauen Augen in die Welt. Blue Eyes – oft besungen aber selten gesehen. Selten? Moment mal, hat das möglicherweise wieder mit Genetik zu tun?

Am Anfang waren alle Augen braun

Ursprünglich hatten wir alle braune Augen“, schlussfolgert der dänischer Wissenschaftler Hans Eiberg von der Universität Kopenhagen. 2008 entdeckt er an 800 blauäugigen Menschen aus ganz verschiedenen Ländern dieser Welt eine genetische Gemeinsamkeit: Sie alle zeigen die gleiche Mutation auf einem DNA-Nachbarn des Gens OCA2, welches dadurch folgenreich beeinflusst wurde: OCA2 beschränkte die Produktion eines bestimmten Proteins, das für die Melanin-Produktion benötigt wird. Nun wissen kundige Sehmärchen-Leser*innen, dass das Pigment Melanin unter anderem für braune Augen sorgt.

Es steht also fest: Blaue Augen sind durch eine Mutation hervorgebracht. Ein einziger, kleiner Spaß der Evolution. Glasklar ausgedrückt sind blaue Augen ein genetischer Defekt. Wenn auch ein schöner.

Uraufführung: Blaue Augen erblicken erstmals die Welt

Es geschah vor ungefähr 6.000 bis 10.000 Jahren: Der erste Mensch mit blauen Augen wurde geboren. Er war männlich und hatte Kinder. Heute leben auf der Welt etwa 670 Millionen blauäugige Menschen und sie stammen mit großer Wahrscheinlichkeit alle von diesem einen Urahn, nennen wir ihn Blauauge, ab. 

Wenn dir der Gedanke gefällt, bist du als Blauäugige*r sowohl mit Heike Makatsch als auch mit Daniel Craig verwandt.

Blaue Augen – schön, aber auch gut? 

Wenn Mutationen, also genetische Fehler, sich verbreiten anstatt zu verschwinden, müssen sie für den Träger und die Trägerin des veränderten Gens einen evolutionären Vorteil bringen. Aber welchen?

Darüber können Humangenetiker derzeit nur spekulieren. Blaue Augen gehen oft einher mit heller Haut. Diese zeigt eine höhere Vitamin D-Produktion an, und Vitamin D ist wichtig für den Aufbau von Zähnen und Knochen. Das könnte ein Vorteil sein und wäre auch eine gute Erklärung dafür, warum in Finnland und Norwegen 90 Prozent aller Menschen blaue Augen haben. Dort scheint die Sonne schwächer, es gibt weniger UV-Strahlung, und die braucht die Haut um Vitamin D zu bilden. Genetiker nennen das Selektionsdruck: Bestimmte Merkmale, hier blaue Augen und helle Haut, werden bevorzugt. 

Vorstellbar ist auch, dass die Menschen schon damals so bezaubert waren von dem Blick in ein blaues Augenpaar, dass Blauaugenfrau und -mann als Sexualpartner punkten konnten. Fehler können halt durchaus attraktiv sein. Apropos fehlen …

Woher kommt denn das Blau? 

Die Iris erscheint blau, weil Melanin fehlt, das sie normalerweise braun einfärbt. Viel Melanin heißt immer dunkle Färbung, also braune Augen. Hellbraune, graue und grüne Augen sind nur Zwischentöne auf der Skala von Dunkelbraun zu Blau; sie enthalten weniger Melanin als Braun aber eben mehr als Blau. 

Wenn Farben in der Natur normalerweise durch Pigmente entstehen – Melanin für Haut, Haar, Augen, Chlorophyll fürs Blattgrün, Carotinoide für rosa Flamingos – wie entsteht dann Blau?

Blaue Augen beruhen nicht auf Pigmenten, sondern auf der Mikrostruktur unserer Iris. Ihr wunderschöner Name verrät es schon. Iris, die Regenbogenhaut (Iris: altgriechisch „Regenbogen“), kann Licht reflektieren und absorbieren. Ohne Melanin erscheint die Iris blau. Rot erscheinen die Augen bei Menschen mit Albinismus übrigens auch nur, wenn Licht in einem bestimmten Winkel ins Auge fällt. Diesen Effekt kennen sicher die meisten Blauäugigen vom Fotografieren mit Blitzlicht.

Manche Dichter, Maler und Musiker empfinden Blau als magisch und ätherisch. Woran könnte das wohl liegen?


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