Warum sind die Augen weiß?

Warum sind unsere Augen Weiß?
Die Lederhaut (Sklera) lässt unsere Augen weiß erscheinen | © Jihan Nafiaa Zahri / shutterstock.com

Unsere Augen zeigen erstaunlich viel Weiß. Rund um die farbige Iris mit der schwarzen Pupille leuchtet das Augenweiß: links, rechts, sogar oben und unten, wenn Du Deine Augen weit aufreißt. Was da weiß erscheint, ist die Lederhaut. Fachleute nennen sie Sklera, vom griechischen Wort skleros für hart. Sie ist eine feste Gewebeschicht und liegt wie eine Schutzhülle um das Auge.

Über der Lederhaut liegt die Bindehaut. Sie ist dünn, durchsichtig und gut durchblutet. Zusammen mit dem Tränenfilm sorgt sie dafür, dass sich das Auge geschmeidig bewegen kann. Die Sklera besteht vor allem aus Kollagenfasern. Kollagen ist ein wichtiges Baustoffeiweiß unseres Körpers und kommt zum Beispiel in Haut, Sehnen, Knochen und Bindegewebe vor.

Weiße Augen sind total normal, denkst Du? Dann schau mal Deinem Kater in die Augen …

Hat nur der Mensch weiß in den Augen?

Jahrzehntelang ging die Wissenschaft davon aus, dass der Kontrast von weißer Lederhaut und dunkler Iris (mit Pupille) den Menschen dazu befähigt, mit Blicken zu kommunizieren. „Ein Teil dieser Hypothese fußt auf der Vorstellung, dass unter den Primaten nur der Mensch über eine weiße Sklera verfügt. Dafür lagen bisher aber nur wenige vergleichende Daten vor“, berichtet Studienleiter und Zoologe Kai Caspar von der Universität Duisburg-Essen.

2021 haben er und sein Team Fotos der Augen von mehr als 380 Menschenartigen aus 15 Arten ausgewertet. Zu dieser Gruppe gehören Menschen, große Menschenaffen wie Schimpansen und Orang-Utans sowie die kleineren Gibbons.

Das Ergebnis der Beobachtungen: Einzigartig ist die weiße Sklera beim Menschen nicht. Die Sumatra-Orang-Utans zum Beispiel haben eine hell erscheinende Lederhaut, die unserer sehr ähnlich ist.

Ein Blick sagt mehr als 1.000 Worte?

Was ist mit der Annahme, wir kommunizieren mit Blicken und haben deshalb eine helle Augenhaut? Die Forscher*innen wollten wissen, wie ähnlich die Kommunikation unserer Verwandten ist, und stellten fest: Hominoiden verständigen sich sehr unterschiedlich. Für große Menschenaffen spielt die Sprache mit Blicken eine untergeordnete Rolle. Für die kleinen Gibbons haben „sprechende Augen“ nahezu überhaupt keine Bedeutung.

Keine Überraschung: Menschliche Gesichter erzählen viel mit Blicken. Oft erkennst Du am Blick Deines Gegenübers, ob jemand aufmerksam, müde, fröhlich oder genervt ist. Wir haben dafür sogar einen Namen: nonverbale Kommunikation.

Und Warum sind die Augen nun weiß?

Wie es evolutionär zur weißen Augenhaut beim Menschen kam? Darüber tappt die Wissenschaft noch ein bisschen im Dunkeln. Eine mögliche Erklärung ist sexuelle Selektion: Helle Augen könnten bei der Partnerwahl eine Rolle gespielt haben, weil sie Gesundheit, Aufmerksamkeit oder Emotionen besonders gut sichtbar machen. Klingt nicht ganz abwegig, oder? Dass Augen beim Flirten ziemlich gute Arbeit leisten, ist jedenfalls schwer zu bestreiten.

Bleibt Weiß immer weiß?

Du ahnst es bereits: Unsere schöne, klare Sklera sagt etwas über unseren Gesundheitszustand. So kann es mal passieren, dass sie rötlich oder gelblich erscheint. Verändert sich das Augenweiß deutlich, plötzlich oder dauerhaft, sollte das ärztlich abgeklärt werden.

Gesund, gerötet oder gelblich?

Gerötete Augen können verschiedene Ursachen haben: Allergien, Entzündungen, Schlafmangel. Auch stark beanspruchende Arbeiten – langes, fokussiertes Starren auf den Bildschirm, beim Nähen oder im Labor – überlasten Deine Augen. Gönne Dir bei sehintensiven Tätigkeiten regelmäßig Pausen für die Augen!

Meist ist es nicht die Sklera, die sich rot verfärbt, sondern die Bindehaut. Eine Bindehautentzündung kann durch Bakterien oder Viren ausgelöst werden und ansteckend sein. Was hilft, hängt von der Ursache ab. Deshalb sollten schmerzhafte, stark gerötete oder eitrige Augen ärztlich abgeklärt werden.
Verfärbt sich die Lederhaut plötzlich gelblich, kann eine Erkrankung im Bereich der Leber oder Galle dahinterstecken, etwa eine Gelbsucht, medizinisch Ikterus genannt. Wenn die Konzentration des Gallenfarbstoffs Bilirubin im Blut zu hoch ist, färbt sich die weiße Augenhaut und oft auch die übrige Haut gelblich.

Auch bei Neugeborenen kann sich die Haut und manchmal das Augenweiß gelblich färben. Das liegt überwiegend daran, dass der Körper den Farbstoff Bilirubin noch nicht schnell genug abbaut. In der Kinderklinik hilft dann oft eine spezielle Lichttherapie mit blauem Licht.

Und noch ein letztes Farbspiel: Bei Babys schimmert die Sklera manchmal bläulich, weil sie noch sehr dünn ist. Das ist meist ganz normal: Sie wächst, wird langsam dicker, dichter und damit immer weißer.

So bleibt das Weiße im Auge nicht nur eine Schutzschicht, sondern auch eine kleine Signalfläche: für Blicke, Gefühle und manchmal auch für die Gesundheit.
 

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