Brillenträger sind schlauer, richtig?

Seh-Märchen vs. Seh-Fakten

Brille Brillenträger schlauer

Was war zuerst da – die Brille oder die Intelligenz? | (Foto: © Nastco / iStockphoto.com)

Ex-Bundespräsident Joachim Gauck trägt eine, Elyas M’Barek kokettiert mit ihr, und ja, selbst die „Katze“ schmückt sich neuerdings mit einer Cateye-Brille. Sieht cool, aber vor allem intelligent aus. Aber stimmt das wirklich? Haben Brillenträger einen höheren IQ als Normalsichtige?

Von welcher Sehschwäche sprechen wir eigentlich?

Statistiken und Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Intelligenz und Kurzsichtigkeit. Kurzsichtige haben, kurz gesagt, einen zu langen Augapfel. Sie sehen im Nahbereich scharf, nicht aber in der Ferne. Die im Fachjargon genannte Myopie bildet sich ab dem 7. Lebensjahr aus und stoppt in der Regel mit dem 30. Lebensjahr. Von den knapp 41 Millionen Fehlsichtigen in Deutschland über 16 Jahren sind 25 Prozent kurzsichtig. Tendenz steigend. Weltweit verzeichnen gerade die Industrienationen mit hohem Bildungsstand einen starken Zuwachs der Kurzsichtigen.

Was hat Kurzsichtigkeit mit Bildung zu tun?

Wissenschaftler sehen als Ursachen der Myopie ein erblich bedingtes, übermäßiges Längenwachstum des Auges, hauptsächlich aber Lichtmangel und viel Arbeit im Nahbereich wie Lesen oder Starren auf den Computer. Die Universitätsklinik Mainz hat in einer Studie festgestellt, dass ein hohes Bildungsniveau und viele Schuljahre großen Einfluss auf die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit haben – stärker als genetische Faktoren.

Dann sind Brillenträger also doch intelligenter als Normalsichtige?

Der Schluss liegt nahe, ist aber nur die halbe Wahrheit. Forscher werteten die Uni-Studie aus und testeten die kognitiven Fähigkeiten von Probanden mit und ohne Myopie. Dabei erzielten die Kurzsichtigen bessere Werte als die Normalsichtigen. Das Ergebnis relativierte sich allerdings, nachdem die Bildungsjahre mit einbezogen wurden. Demnach hat die Bildung einen größeren Einfluss auf die Myopie als die Fähigkeit logisch zu denken, zu planen und Probleme zu lösen. Myopie und Intelligenz haben also nur indirekt über die Bildungsjahre miteinander zu tun.

Kann man schlau werden und gleichzeitig gesunde Augen behalten?

Kurzsichtigkeit lässt sich nicht heilen, aber aufhalten. In vielen Studien weltweit kamen Wissenschaftler zum dringenden Rat, mehr Freizeit im Freien zu verbringen. Licht erhöht die Dopaminausschüttung. Die wiederum schränkt das Längenwachstum des Augapfels ein. Nun sollen Kinder und Jugendliche keineswegs auf Bücher oder Computer verzichten, aber Spielen im Freien ist allemal gesünder als Spielen vor dem heimischen PC. Und denjenigen, die ganztags am Computer arbeiten müssen, hilft der regelmäßige Blick in die Ferne. Bleibt das Trostpflaster für alle Brillenträger: Sie sehen schlau und deshalb auch attraktiv aus.

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