Seh­probleme & Sehschwä­chen

Symptome & Therapien

Sehprobleme und Sehschwächen – welche Formen gibt es? Die Sprache der Mediziner ist gespickt mit Fachbegriffen und Fremdwörtern: Myopie, Hyperopie, Presbyopie, Astigmatismus, Glaukom und vieles andere mehr. Aber keine Sorge: Was es grob damit auf sich hat, lässt sich in wenigen Sätzen erklären. Was verbirgt sich hinter den einzelnen Sehschwächen und Sehproblemen? Welche Symptome weisen auf eine Sehschwäche hin? Das erfährst du hier unter den einzelnen Stichworten.

Tipp: Überprüfe deine Sehleistung mit unseren kostenlosen Online Seh-Checks. Wenn du dabei Anhaltspunkte für eine Sehschwäche findest, solltest du einen professionellen Sehtest beim Augenoptiker oder beim Augenarzt durchführen lassen.

Kurzsichtigkeit

Eine Sehschwäche ist die Kurzsichtigkeit. Das medizinische Fachwort dafür ist Myopie. Kurzsichtige können nahe Gegenstände tadellos scharf sehen, entfernte dagegen nur unscharf. Das liegt an der etwas ungenauen Bauweise des Auges: Normalerweise ergeben die aus der Ferne kommenden Lichtstrahlen im Auge genau auf der Netzhaut ein scharfes Bild. Beim Kurzsichtigen hingegen werden die Lichtstrahlen schon vor der Netzhaut vereinigt, das Bild auf der Netzhaut wird unscharf. Das Auge eines Kurzsichtigen ist nicht etwa schlechter als das eines Normalsichtigen – der Augapfel ist nur zu lang. Die Sehschwäche Kurzsichtigkeit lässt sich in der Regel mit einer Brille oder mit Kontaktlinsen ausgleichen.

Passend hierzu: Fern-Seh-Check – Kurzsichtigkeit erkennen

Weitsichtigkeit

Die Sehschwäche Weitsichtigkeit heißt auch Übersichtigkeit, in der Fachsprache Hyperopie oder Hypermetropie. Ein schwach weitsichtiger Mensch kann in die Ferne scharf sehen, hat dafür Probleme mit dem deutlichen Sehen in der Nähe. Diese Sehschwäche macht sich vor allem beim Lesen, aber auch beim Kochen, bei der Computerarbeit oder beim Heimwerken bemerkbar. Ursache ist ein etwas zu kurz geratener Augapfel – die eintreffenden Lichtstrahlen finden nicht zu einem Bild auf der Netzhaut zusammen. Ohne Korrektion träfen sie sich theoretisch erst hinter der Netzhaut. In jungen Jahren kann ein schwach weitsichtiger Mensch trotzdem scharf sehen, da das Auge die Übersichtigkeit durch eine stärkere Wölbung der Augenlinse ausgleicht. Mit zunehmendem Alter lässt diese Fähigkeit nach, die Linse ist dann weniger elastisch, und eine Brille wird nötig. Wie macht sich diese Sehschwäche bemerkbar? Erste Symptome sind Spannungs- oder Druckgefühle im Bereich von Nasenwurzel/Schläfen oder Kopfschmerzen nach langem Lesen. Weitsichtigkeit ist oft eine Ursache für das Schielen bei Kindern. Die Sehschwäche Weitsichtigkeit lässt sich gut mit einer Brille oder auch Kontaktlinsen korrigieren.

Passend hierzu: Nah-Seh-Check – Weitsichtigkeit erkennen

Weitsichtigkeit bei Kindern

Die meisten Kinder kommen mit einer schwachen Weitsichtigkeit auf die Welt. Dies ist unbedenklich, denn die Kinder können die Weitsichtigkeit durch ihre sehr flexible Augenlinse ausgleichen. Bis zum 6. Lebensjahr verschwindet diese Weitsichtigkeit normalerweise von ganz allein. Eine starke Weitsichtigkeit oder eine auf beiden Augen unterschiedlich starke Fehlsichtigkeit muss allerdings so früh wie möglich korrigiert werden. Unbehandelt kann eine nicht mehr heilbare Schwachsichtigkeit (Amblyopie) oder ein manifestes Schielen entstehen.

Alterssichtigkeit

Sehprobleme mit zunehmendem Alter? Das ist nichts Ungewöhnliches, sondern der Normalfall. Die Alters(weit)sichtigkeit, fachsprachlich Presbyopie, ist im Gegensatz zur Weitsichtigkeit nicht die Folge eines zu kurz geratenen Augapfels, sondern entsteht durch den natürlichen Alterungsprozess. Ab dem 40. bis 45. Lebensjahr verlieren Augenlinse und Ringmuskel des Auges ihre Elastizität. Das Scharfstellen wird schwieriger, der Griff zur Lesebrille obligatorisch. Die Sehschwäche verstärkt sich mit den Jahren, sodass man schließlich auch für mittlere Entfernungen einen Ausgleich benötigt – zum Beispiel mithilfe einer Gleitsichtbrille oder multifokalen Kontaktlinsen.

Passend hierzu: Nah-Seh-Check – Alterssichtigkeit erkennen

Hornhautverkrümmung

Hornhautverkrümmung – auch Stabsichtigkeit oder Astigmatismus genannt – kann gemeinsam mit Kurzsichtigkeit oder mit Weitsichtigkeit und auch als eigenständige Fehlsichtigkeit auftreten. Ein stabsichtiges Auge erkennt einen kreisrunden Punkt nicht als solchen, sondern leicht verzerrt als Ellipse oder Stab. Der Grund: Die Hornhautwölbung ist ungleichmäßig und stellt das einfallende Bild unklar dar. Allerdings korrigiert das Gehirn diesen Seheindruck automatisch, sodass dies im Alltag nicht bewusst auffällt. Das Sehen erscheint nur allgemein undeutlicher. Korrigieren lässt sich dieser Sehfehler mit einer Brille oder mit Kontaktlinsen, auch operative Verfahren kommen infrage.

Hornhautverkrümmung bei Kindern

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr: Bei Kindern sollten stärkere Hornhautverkrümmungen – wie auch jede andere Fehlsichtigkeit – so früh wie möglich durch eine Brille ausgeglichen werden. Sonst kann sich eine lebenslange Sehschwäche ausbilden, weil die Augen nie richtiges, scharfes Sehen gelernt haben. Diese Gefahr besteht besonders dann, wenn nur ein Auge fehlsichtig ist. Nach dem sechsten oder siebten Lebensjahr kann das Auge das vorher nicht Gelernte nicht mehr nachholen.

Rot-Grün-Sehschwäche

Die Rot-Grün-Sehschwäche, oft auch Rot-Grün-Blindheit genannt, ist eine Störung des Farbsinns. Betroffene nehmen Rottöne und Grüntöne nur in Graustufen wahr. Rund neun Prozent der Männer haben eine Rot-Grün-Sehschwäche. Frauen sind wesentlich farbsicherer: Bei ihnen können nur 0,8 Prozent die Farben Rot und Grün schlechter als ihre normalsichtigen Geschlechtsgenossinnen unterscheiden. Die Rot-Grün-Sehschwäche ist im Alltag im Allgemeinen nicht besonders störend, der Betroffene hat sich längst an den Seheindruck gewöhnt. Bei einigen Berufsgruppen wie Piloten, Grafikern oder Polizisten ist ein gutes Farbensehen allerdings Voraussetzung. Die Rot-Grün-Sehschwäche tritt in verschiedenen Graden auf, ist angeboren und nicht behandelbar.

Passend hierzu: Farb-Seh-Check – Farbenblindheit erkennen

Grauer Star

Der Graue Star (Katarakt) ist eine Trübung der Augenlinse. Dabei scheint es, als würde man durch eine Milchglasscheibe blicken, sodass alles neblig aussieht und Farben zu Grau verschwimmen. Der Sehverlust tritt langsam auf, ohne dass der Betroffene Schmerzen hat. Zu Beginn der Sehschwäche wird man häufig etwas kurzsichtiger, sodass der Augenoptiker öfter aufgesucht werden muss. Langfristig kommen Betroffene nicht um eine Operation herum. Dabei wird die Linse entfernt und durch eine Kunststofflinse ersetzt. Eine vorhandene Kurz- oder Weitsichtigkeit kann bei der Operation mit ausgeglichen werden.

Grüner Star

Als Grüner Star (Glaukom) bezeichnet man eine Krankheit, bei der die Nervenzellen der Netzhaut absterben. Häufig ist beim Grünen Star auch der Druck im Augeninneren erhöht. Unbehandelt führt die Krankheit zur Erblindung. Da die Krankheit langsam voranschreitet, bemerkt der Betroffene den sich allmählich verstärkenden Tunnelblick schwer. Frühzeitig erkannt, lässt sich die Augenerkrankung Grüner Star meist mit Medikamenten aufhalten. Deshalb sind regelmäßige Untersuchungen beim Augenarzt wichtig.

Schielen

Geradeaus schauen kann nicht jeder! Wer schielt, der kann die Blickrichtung seiner beiden Augen nicht parallel zueinander ausrichten. Beim Schielen (Strabismus) handelt es sich nicht nur um einen Schönheitsfehler. Mit einhergehenden Sehstörungen ist es eine echte Sehbehinderung. Schielen ist nicht gleich Schielen: Unterschieden werden verschiedene Ausprägungen.

Latentes Schielen (Heterophorie)

Beim latenten Schielen liegt eine Störung des Augenmuskelgleichgewichts vor. Zwar kann das Gehirn diese Störung mit den Augenmuskeln weitgehend ausgleichen, trotzdem können bei Übermüdung und Stress Doppelbilder auftreten. Darüber hinaus sind auch Kopf- und Augenschmerzen oft die Folge.

Manifestes Schielen (Heterotropie)

Als manifestes Schielen wird eine Störung des Augenmuskelgleichgewichts bezeichnet, die nicht mehr vom Gehirn ausgeglichen werden kann. Es kommt zu einer dauerhaften Abweichung eines Auges von der angestrebten Blickrichtung. Das manifeste Schielen ist immer pathologisch. Es lässt sich in zahlreiche Unterarten einteilen wie z.B. Begleitschielen und Lähmungsschielen.

Begleitschielen (Strabismus concomitans)

Beim Begleitschielen bewegen sich die Augen zwar gleichmäßig in alle Blickrichtungen, sind aber trotzdem nicht auf ein und dasselbe Objekt gerichtet. Das schielende Auge begleitet das nicht schielende Auge. Der Schielwinkel ist bei allen Blickbewegungen etwa gleich groß. Diese Erkrankung muss unbedingt im Kleinkindalter therapiert werden, um die Ausbildung einer Schwachsichtigkeit auf dem abweichenden Auge zu vermeiden.

Lähmungsschielen (Strabismus paralyticus)

Das Lähmungsschielen kann aufgrund einer neurologischen Erkrankung, als Folge eines Unfalls oder nach einer Erkrankung eines oder mehrerer Augenmuskeln auftreten. Der Schielwinkel ist von der Blickrichtung abhängig.

Wichtig: Je eher das Schielen bei einem kleinen Kind festgestellt wird, desto erfolgreicher lässt es sich behandeln. Dies geschieht meist mit einer speziell angepassten Brille, mit Prismengläsern, durch Okklusion (Abkleben eines Auges) oder eine operative Korrektur.

Glaskörpertrübung

Mouches Volantes – diese Augenkrankheit mit dem elegant-französisch klingenden Namen ist keinesfalls harmlos: Die „fliegenden Fliegen“ oder „fliegenden Mücken“, so die Übersetzung, zeigen sich zum Beispiel durch schwarze Punkte, Flecken oder fadenartige Strukturen im Gesichtsfeld. Oft werden diese Sehstörungen durch eine Verflüssigung des Glaskörpers oder eine Ablösung des Glaskörpers von der Netzhaut verursacht. Zur Behandlung der Krankheit gibt es noch keine etablierten Verfahren. Seit kurzem wird von einigen Augenärzten eine nicht-invasive Behandlung – die sog. Laser-Vitreolyse – angewandt.

Makuladegeneration

Die Makula, auch als gelber Fleck bekannt, liegt in der Mitte der Netzhaut und ist der Ort des schärfsten Sehens. Diese etwa drei bis fünf Millimeter große Stelle ist verantwortlich für die wesentliche Sehleistungen. Sie ermöglicht uns zu lesen, Gesichter und feine Einzelheiten zu erkennen sowie Farben zu unterscheiden. Die gesamte restliche Netzhaut nimmt hauptsächlich nur Umrisse, Hell-Dunkel-Kontraste und Bewegungen wahr.

Beim gesunden Auge herrscht in der Makula ein reger Stoffwechsel, durch den die Sehzellen mit Nährstoffen versorgt werden. Mit dem Alter, meist ab dem 50. Lebensjahr, kann es dabei zu Störungen kommen: Unter der Netzhaut entstehen dann Ablagerungen, die Sehzellen sterben langsam ab. Diese Erscheinungen bezeichnet man als altersbedingte Makuladegeneration, kurz AMD.

Wie macht sich diese Augenerkrankung bemerkbar? Betroffene sehen in der Mitte des Gesichtsfeldes verschwommen, verzerrt oder einen dunklen Fleck. Weitere Symptome sind die Abnahme der Sehschärfe und damit der Verlust der Lesefähigkeit und der Autofahreignung. Weitere Symptome sind eine Verschlechterung des Kontrastempfindens, des Farbensehens, der Anpassungsfähigkeit an veränderte Lichtverhältnisse sowie eine Erhöhung der Blendempfindlichkeit.

Das Erkrankungsalter und die Ausprägung der Symptome variieren und hängen von der Erkrankungsform ab. Manchmal ist nur ein Auge betroffen, während das andere weiterhin gut sieht. Da die Erkrankung normalerweise auf die Makula beschränkt ist, bleibt das äußere Gesichtsfeld und somit die Orientierungsmöglichkeit der Betroffenen erhalten. Auch bei Dunkelheit sehen Betroffene trotz ihrer gravierenden Sehstörung meist relativ gut.

Früher war die AMD unheilbar. Doch heute gibt es bereits Behandlungen, mit denen die Krankheit oft positiv beeinflusst werden kann. Weitere Informationen über AMD beim Bundesverband der Augenärzte.

Mit einem Online-Seh-Check lassen sich erste Anzeichen einer AMD feststellen, doch nur die professionelle Untersuchung bringt Gewissheit. Um die Augenerkrankung möglichst frühzeitig zu erkennen, ist der Besuch beim Augenarzt alle zwei Jahre anzuraten.

Passend hierzu: Makula-Seh-Check – Makula-Störung erkennen

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